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Man muss Penelope Cruz auf die Füße gucken, um die Frau zu verstehen. Ballettfüße, krumm und geschunden, ganz und gar nicht passend zu dem perfekten Körper, den sie tragen. „Ballett ist eine sadistische Angelegenheit. Du gewöhnst dich daran, zu bluten und gleichzeitig zu lächeln”, sagt Penelope Cruz. Die Schauspielerin war vier Jahre alt, als sie von ihrer Mutter in die Ballettschule geschickt wurde, ihre Lektionen von damals hat die inzwischen 32-Jährige bis heute nicht vergessen. Wenn du Erfolg haben willst, sei hart zu dir selbst. Und vor allen Dingen: Zeig den anderen nicht, dass es dir wehtut. Reiß dich zusammen, egal wie sehr es dich schmerzt!
Es gibt Augenblicke, in denen kann man Penelope Cruz den Drill ansehen. Dann verwandeln sich die braunen, sanften Augen in kalte Sehschlitze, jede Muskelfaser ihres Körpers scheint angespannt, und auch die Partie um ihren Mund bekommt etwas so Unerbittliches, dass man ihr über die Hand streichen und sagen will: „Mädchen, nun entspann dich. Die Dinge laufen doch gut.”
Gerade erst ist Penelope für ihren Auftritt in Pedro Almodovars neuem Film „Volver – Zurückkehren” (siehe Kasten nächste Seite) bei den Filmfestspielen in Cannes für ihr Spiel ausgezeichnet worden. Und so langsam werden auch diejenigen ihrer Kritiker leiser, die lange Zeit nicht müde wurden, darauf hinzuweisen, dass diese junge Frau ihren Erfolg nicht ihrem Talent zu verdanken habe, sondern ihrem atemberaubenden Aussehen und ihren öffentlichkeitswirksamen Beziehungen zu Schauspielkollegen wie Matt Damon, Nicolas Cage, Tom Cruise und Matthew McConaughey. Gut so: Hinter der auf den ersten Blick so glatten, glamourösen Karriere steckt vor allem eins: eiserne Disziplin.
Schon in ihrer Kindheit ist Penelope besessen davon, eines Tages vor der Kamera zu stehen. In Alcobendas, einem Arbeitervorort von Madrid, will sie nicht länger bleiben als nötig. Vater Ernesto ist Automechaniker, Encarna, die Mutter, arbeitet in einem Schönheitssalon. Oft kommt Penelope nach der Schule dorthin. Setzt sich still in eine Ecke, holt ihre Schulhefte hervor, aber anstatt ihre Hausaufgaben zu erledigen, beobachtet sie, wie ein neues Make-up, ein neuer Haarschnitt das Verhalten und das Selbstbewusstsein der Frauen verändert. „Der Salon war meine erste Schauspielschule. Dort habe ich gelernt, was Verstellung, Maskerade und Rollenspiel sind”, sagt Cruz. „Kaum jemand erträgt sich so, wie er ist.” In der Schule wird sie wegen ihrer fragilen Figur als „Suppenkelle” gehänselt. Sie leidet stumm und träumt von ihrem großen Durchbruch.
Mit 17 Jahren bekommt sie ihre erste große Filmrolle. In dem preisgekrönten Erotikstreifen „Jamon, Jamon”, („Schinken, Schinken”) räkelt Penelope sich als Lolita leicht bekleidet auf der Leinwand und sagt Sätze wie „Warum leckst du so gerne meine Titten?” in die Kamera. Das überzeugt, ihre Karriere kommt in Gang. Dann bricht sie zusammen. Vor Erschöpfung, aber auch vor Ekel und Scham. Penelope kommt ins Krankenhaus und erholt sich nur langsam. Viele Jahre lang wird sie keine Liebesszenen mehr spielen. Nicht mal mehr küssen will sie. Ihre Haare schneidet sie ganz kurz. „Alles Sexuelle war mir völlig zuwider”, bekennt Cruz heute. Aber anstatt den Film als Jugendsünde abzutun oder sich Fragen danach zu verbitten, sagt sie: „Niemand hat mich damals gezwungen, den Film zu machen. ,Jamon, Jamon` war der Startschuss zu meiner Karriere, und ich muss dem Regisseur Bigas Lunas ewig dankbar sein.”
Harte, zarte Cruz. Wie viel Kraft und Willensstärke in der Schauspielerin stecken, bestätigen auch ihre Kollegen. „Penelope ist ein Armeepanzer mit menschlicher Seele”, heißt es. „Sie ist zu drei Vierteln süß und zu einem Viertel extrem taff”, sagt Cameron Crowe, der Regisseur von „Vanilla Sky”. „Ich glaube nicht, dass sie ein leichtes Leben führt”, erklärt Billy Bob Thornton, der mit Penelope Cruz „All die schönen Pferde” gedreht hat. „Sie macht sich um alles Gedanken und verlangt sich in allem das Maximum ab.”
Das war von Anfang an so: Cruz zerreißt sich für ihre Rollen, dreht ohne Unterlass, in Spanien und in den USA. Sie muss Englisch lernen. Sie bekämpft ihre Alpträume, in denen sie rennt und rennt und doch nicht von der Stelle kommt. In ihrer drehfreien Zeit geht sie nach Kalkutta, um dort Armen und Kranken zu helfen, und hat ihren zweiten Nervenzusammenbruch, während spanische Schönheitschirurgen auf Fotos ihre Züge und Figur studieren. Auszusehen wie Penelope ist das neue Ideal vieler Spanierinnen. Cruz, eine nationale Fantasie, ein Sexsymbol wider Willen.
„Sie ist der bestaussehende Mensch, den ich je gesehen habe”, sagt der US-Modedesigner Ralph Lauren. Cruz’ Entdecker Almodovar war seinerzeit so sehr von ihrem „unglaublich schönen Gang” beeindruckt, dass er sie vom Fleck weg engagierte. „Bei Penelope denke ich an Tequila-Ströme, einen Strand um Mitternacht und nackt im Meer schwimmen”, sagt ein berühmter Schauspielkollege, der anonym bleiben möchte. Und Penelope selbst? Trinkt keinen Kaffee, macht Yoga und ist vom Gerede um ihre Schönheit genervt. „Es ist fast unmöglich, als Schauspielerin ernst genommen zu werden, wenn du erst als attraktive Frau geführt wirst.” Aber sie hat ausgehalten, weitergemacht, gegen das Klischee, das man ihr so gern aufgedrückt hätte, angespielt. Auf „Volver” ist sie deshalb besonders stolz. „Dieser Film gibt mir endlich die Glaubwürdigkeit, die ich haben will.”
Klassenziel erreicht also. Vorerst. Klar, ein Oscar, der soll es schon noch mal sein. Eine Familie zu gründen, Kinder zu haben wäre auch schön. Das Privatleben – ein wunder Punkt. Nicht mal sie, die „Cruz Missile” („Die Welt”) kann die Liebe erzwingen, geschweige denn haltbar machen. Gerade erst haben sie und Matthew McConaughey sich nach zweijähriger Beziehung voneinander getrennt. Seit Februar hatte das Paar sich nicht mehr gesehen. Zu volle Terminkalender. Zwar kursiert das Gerücht, Penelope sei bei den Dreharbeiten des Stierkämpfer-Dramas „Manolete” mit Adrien Brody auf den Geschmack gekommen und turtele jetzt mit einem Matador. Aber noch bezeichnet sie sich als Single. „Es ist gut, auch mal allein zu sein, um die Angst vorm Singledasein zu verlieren”, sagt Penelope. Da ist sie wieder, die harte Cruz mit ihren Prinzipien: Zeige niemandem, wie sehr du leidest! Reiß dich zusammen, egal wie weh es dir tut!
Aber dann lässt sie sich doch kurz in die Seele schauen. „Was ist, wenn ich mich ans Singlesein gewöhne? Das ist die Gefahr.” Denn dann hätte die harte Cruz die zarte bezwungen.