Beruf: Promi (Teil 2)

> Klaus Werle

manager magazin spezial, Oktober 2014
Fortsetzung von Beruf: Promi

Denn all das Champagnerschlürfen und Smalltalken vor Jachthafenkulissen „mache ich natürlich nicht für mich selbst oder aus purem Spaß“, sagt Bühlbecker treuherzig. Vielmehr begreift sich der Salonlöwe als Botschafter seiner Firma. Der Unternehmer als Marke.

Das Konzept erinnert an Michalsky, und Bühlbecker weiß sich damit in satisfaktionsfähiger Gesellschaft: Richard Branson, Donald Trump, früher auch Carsten Maschmeyer samt Vroni, ja so- gar der biedere Wolfgang Grupp (Trigema) schuften, jeder auf seine Weise, als nimmermüde Alleinunterhalter, um ihre Firma im Gespräch zu halten. Content- Marketing, Personality-Marketing, der Schlagworte sind viele, und deshalb wurde die Strategie des Herrn der süßen Dinge auch wissenschaftlich aufgearbei- tet: In einer Bachelor-Arbeit an der Dort- munder International School of Manage- ment. Titel: „Der Mensch als Marke am Beispiel der Henry Lambertz GmbH & Co. KG und ihrem Inhaber Hermann Bühlbecker“.

Die Praxis sieht so aus: Der Chef schafft Anlässe, die der Marke gut zu Gesicht stehen. „Lambertz ist Premium mit einer langen Tradition. Diesen besonde- ren Touch transportieren wir, indem der ehemalige Hoflieferant Lambertz bei den modernen Königen ist – den Stars“, sagt der Tennisspieler. Statt TV-Spots, fester Testimonials oder Anzeigen steckt Bühlbecker lieber ein paar ansehnliche junge Damen in lustige Kostüme und hängt ihnen einen Bauchladen mit Keksen um, die sie dann an den Hotspots der Schickeria verteilen. Etwa in Cannes, wo Bühlbecker gleich mehrere Events sponserte, darunter die Opening-Party für den Film „The Expendables 3“ – großartige Bilder, auf denen Mel Gibson und Sylvester Stallone in Aachener Gebäck beißen, waren die Belohnung.

Die Fotos lässt der Süßwarenpatron akribisch in Klarsichtfolien packen, die dazugehörigen Artikel werden säuberlich abgeheftet und ihr Erfolg taxiert: allein die vergangene Lambertz Monday Night brachte Medialeistungen im Wert von fünf Millionen Euro.

Die Anstrengung soll sich schließlich lohnen: Mindestens zehn Tage im Monat ist Bühlbecker unterwegs, um die Reichen und Schönen von den Vorzügen seiner Süßigkeiten zu überzeugen. Zeitverschiebung, schlechtes Airline-Essen, und dann doch wieder Absagen: „Bei den meisten muss man drei-, viermal anklopfen, bevor sie kommen.“ Die Ereignisse selbst sind dann auch nicht ganz ohne: „In Cannes habe ich in drei Tagen vielleicht acht Stunden geschlafen.“ Abends feiern an der Croisette, am nächsten Morgen um fünf Uhr zum Flieger nach Amsterdam zu einer Messe, abends zurück und auf der nächsten Lambertz-gesponserten Party wieder Küsschen und Kekse verteilen.

Promis essen Schokolade, potenzielle Kunden schauen zu: das Geschäftsmodell des Promifreunds und Bentley-Fahrers ist scharf konturiert wie die Umrisse seiner Erdnussberge. Das Rezept ist auf- gegangen. Aber wenn Bühlbecker eins in den vielen Jahren zwischen Aachen und Cannes gelernt hat, dann das: Der Jetset schlaucht.